Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

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Von wegen „postnationales Zeitalter“

Anfang Dezember 2016 trafen sich Kulturwissenschaftler, Historiker und Soziologen aus Deutschland, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Polen, Rumänien, Russland, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn zu einer Tagung an der Universität München. Ihr Thema war die „Wiederentdeckung des Nationalen“ in den postkommunistischen Staaten Ostmitteleuropas, ihr Gegenstand die Ideologien und Inszenierungen, Strategien, Formen und Praktiken „nationaler Geschichts- und Identitätspolitik“ nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme 1989/90. Die Erwartung mancher Zeitgenossen, dass diese Staaten dem „europäischen Projekt“ neuen Schwung verleihen, die Einheit stärken, den Weg in ein „postnationales Zeitalter“ beschleunigen würden, erwies sich als voreilig, als Missverständnis. Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei hatten schon 1991 an historischem Ort (in...

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Rechtskonservativer Jansa siegt bei Wahl in Slowenien

Im EU- und Nato-Land Slowenien hat der rechtskonservative Oppositionsführer Janez Jansa laut Prognosen die meisten Stimmen bei der Parlamentswahl gewonnen. Seine SDS-Partei konnte 25 der 90 Sitze in der Volksvertretung erobern, wie das nationale Fernsehen am Sonntag in Ljubljana auf der Basis von Nachwahlbefragungen mitteilte. Zweistärkste politische Kraft wurde demnach die erstmals angetretene LMS-Partei des Bürgermeisters und früheren Komikers Marjan Sarec, die 13 Mandate gewann. Im Fall einer Regierungsübernahme will Jansa das Alpen-Adria-Land hermetisch gegen Flüchtlinge und Migranten abriegeln. Vorbild des 59-Jährigen ist das benachbarte Ungarn unter Viktor Orban. Ob Jansa nach der Auszählung eine Regierungskoalition zusammenbekommt, ist offen. Staatspräsident Borut Pahor...

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„Ich wollte starke Frauen“

Pastinake, Höhlenkäse, Haselnuss – was nach einem ungleichen Trio klingt, sind die Zutaten für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Spitzenköchinnen Ana Roš und Christina Bowerman. Und diese ist gleichzeitig die Krönung des ersten „NEU Dinners“, einer Dinnerreihe in Berlin, bei der internationale Köche auf Berliner Gastronomen treffen und in Zweierteams jeweils ganz neue Gerichte entstehen lassen. Das Event findet im Anomalie Art Club statt: Von außen ein grauer Betonbau in einem Gewerbegebiet mit graffitiverschmierten Wänden, offenbart sich an diesem Abend im Inneren ein schickes Restaurant, die Bänke mit dunkelgrünem Samt bezogen, an den Wänden Schwarz-Weiß-Fotografien. Fans der Netflix-Serie „Chef’s Table“ kennen Ana Roš bereits seit der Folge über das Hiša Franko in Slowenien. Ihre Küche basiert auf den lokalen und saisonalen Zutaten des Soča-Tals. Obwohl...

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Italien sieht sich als Vorbild in der Flüchtlingspolitik

Was Italiens Politiker lange Zeit als die schwierigste Entwicklung für die italienische Flüchtlingspolitik befürchtet hatten, droht nun innerhalb von wenigen Wochen einzutreten: Österreich hat angekündigt, die Grenzübergänge in Richtung Italien für den freien Reiseverkehr zu schließen und damit auch für die Flüchtlingsströme aus Italien. Auch am Brennerpass soll dann die Reise nach Norden nur noch nach einer Personenkontrolle möglich sein. „Wenn Wien den Brenner schließt, wird Italien platzen“, titelt deshalb in düsterer Vorahnung das rechtspopulistische Blatt „Libero“. Tobias Piller ...

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Festung Austria

Österreichs Abschreckung ist vier Meter hoch. Ein riesiger Zaun, auf den Flüchtlinge stoßen, wenn sie in der neuen Aufnahmeeinrichtung am Grenzübergang Spielfeld eintreffen. Der monströse Bau mitten im Lager ist doppelt so hoch wie die übrigen Maschendrahtbarrieren, die rechts und links des Übergangs durch die Weinberge der Steiermark gezogen worden sind. „Uns geht es um die optische Wirkung“, sagt ein Polizist. „Die Leute sollen gleich verstehen: Aha, Sperre!“ Die gerade fertiggestellte Anlage an der Grenze zu Slowenien ist zum Inbegriff der neuen...

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Da ist ein Loch vor der Tür

Die Unterwelt beginnt bei Günter Schuler gleich hinter dem Haus. Er muss nur den Garten durchqueren, den Acker hochlaufen, und schon steht er vor dem Einstieg. Günter Schuler hat ihn mit einem Gullideckel verriegelt. Sicher ist sicher. Man ist vorsichtig geworden hier in Göschweiler auf der Baar. Denn unter dem Gullideckel klafft immer noch dieses tiefe Loch, das weiterhin Touristen anzieht. Und es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein Mensch vom Erdboden verschluckt wird. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass sich auf Schulers Acker plötzlich die Erde auftat. Er konnte es zunächst gar nicht glauben. Ein Loch? Er war damals nicht zu Hause, als er hörte, was auf seinem Grund und Boden entdeckt worden war. Ein Bauer, dem er das Land verpachtet hat, pflügte gerade mit seinem Trecker, als es an den Hinterrädern...

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Slowenien setzt Armee zur Grenzsicherung ein

In der Flüchtlingskrise setzt Slowenien zur Sicherung seiner Grenze zu Kroatien nun auch die Armee ein. Die Abgeordneten hätten dem mit großer Mehrheit zugestimmt, teilte Parlamentspräsident Milan Brglez am späten Montagabend in Ljubljana mit. Die Soldaten sollen die Polizei unterstützen. Bei fünf Gegenstimmen votierten 69 Abgeordnete für den Gesetzesentwurf. Vor der Abstimmung im Parlament hatte Ministerpräsident Miro Cerar auf einer Pressekonferenz erklärt, der Armeeeinsatz sei auf drei Monate begrenzt. „Das wird kein militärischer Einsatz sein“, sagte Cerar. „Die Armee wird lediglich der Polizei dabei helfen, die Grenze zu sichern und die Flüchtlinge zu leiten, die die grüne Grenze überqueren und in die Registrierungszentren gelangen wollen.“ Wie viele Soldaten eingesetzt würden, hänge von der Größe des Flüchtlingsstroms ab. ...

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Slowenien lässt keine Flüchtlinge mehr durch

Die Flüchtlingsroute über den Balkan, über die im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen nach Westeuropa gelangten, schließt sich weiter: Slowenien hat angekündigt, künftig keine Flüchtlinge mehr durchzulassen. Sie dürften nur noch in das Land einreisen, wenn sie dort Asyl beantragen wollten. Das erklärte das Innenministerium in der slowenischen Hauptstadt nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP. Ausnahmen gebe es nur in Einzelfällen aus humanitären Gründen. Slowenien werde sich nicht mehr an die bisherigen Abmachungen der Anrainerländer der Balkanroute halten, kündigte der Staatssekretär im Innenministerium, Bostjan Sefic, nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa im Radio Slovenija an. Das Land habe seine Nachbarstaaten informiert, dass jetzt nur noch Menschen mit gültigen Reisedokumenten einreisen dürften, die in Slowenien Asyl beantragen wollten. Das Land werde...

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Ungarn ruft Krisenzustand aus

Ungarn hat wegen der faktischen Schließung der Balkanroute landesweit den Krisenzustand ausgerufen. Innenminister Sandor Pinter begründete diesen Schritt am Mittwoch in Budapest damit, dass Slowenien, Kroatien und Serbien nur noch Flüchtlinge mit gültigen Papieren und Visum einreisen lassen. Man wisse nicht, wie die illegal eingereisten Migranten, die sich bereits in diesen Ländern aufhielten, auf diese Entscheidung reagieren würden. Der Krisenzustand bedeutet mehr Rechte für die Polizei und dichtere Personenkontrollen. Bereits im vergangenen September, als täglich tausende Flüchtlinge aus den Nachbarländern Serbien und Kroatien ins Land kamen, hatte Ungarn den Krisenzustand ausgerufen. Allerdings galt dieser damals nur für die grenznahen Landesbezirke. ...

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Das Ende des Trecks

Tierfreunde haben kleine, bunte Fähnchen an den Stacheldraht geheftet, der quer über den istrischen Karst entlang der kroatischen Grenze verläuft. Das Wild soll sich nicht an den messerscharfen Zacken des Nato-Drahts verletzen, den Slowenien in Ungarn erwarb, um Migranten den illegalen Grenzübertritt zu erschweren. An dem kleinen Grenzübergang Rakitovec machen vier Polizisten Dienst, zwei Slowenen und zwei Kroaten. 1200 Straßenkilometer und zwei Staatsgrenzen liegen zwischen Schengen-Land und Schengen-Land, zwischen dem Flüchtlingslager im griechischen Idomeni und dem slowenischen Grenzstreifen im istrischen Karst. Ob hier schon Migranten durchgekommen sind? Die Polizisten lachen und schütteln den Kopf. An ihrem Dienst ändert der um Mitternacht in Kraft getretene Beschluss der slowenischen Regierung, die Schengen-Regeln wieder uneingeschränkt in Kraft zu setzen, gar nichts. Hier wurden immer schon die Pässe kontrolliert, und zwar gleich zweimal, denn eine vereinfachte gemeinsame Abfertigung gibt es zwischen...

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Notfalls müssen wir den Zaun verlängern

Slowenien hat versichert, dass die Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge den Handelswegen und der Wirtschaft mehr nütze als schade. „Die Grenzen sind und bleiben offen, die Freizügigkeit von Waren, und Personen wird davon profitieren, dass wir den Schengener Grenzkodex wiederhergestellt haben“, sagte der für Migrationsfragen zuständige Staatssekretär Boštjan Šefic in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit Mittwoch lassen Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien niemanden mehr ohne Reisepass und Visum weiterreisen. Slowenien ist...

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Hier ist der Bienenfleiß zu Hause

Die Sache mit der Lyrik ist, um mit Goethe zu sprechen, ein einförmig Ding. Wenige Menschen lesen Gedichte, doch viel mehr scheinen sie zu schreiben. Und selbst wer sie nicht liest, bewahrt sich manchmal noch eine Restachtung vor etwas Großem, Unbegriffenen, das im Hintergrund der banaleren Lebensübungen – Zahnarzt, Rentenversicherung, Steuererklärung - geduldig wartet. Paul Ingendaay Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin. F.A.Z. ...

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Hatte Unister-Gründer Thomas Wagner Millionen an Bord?

Am Tag nach dem Absturz eines Kleinflugzeuges mit Unister-Chef Thomas Wagner an Bord in Slowenien haben Mitarbeiter des Internetkonzerns mit einer Trauerminute der Opfer gedacht. Unister befinde sich in einem Moment der tiefen Trauer, teilte das Unternehmen am Freitag mit. „Unfassbar. Wir sind alle traurig. Und sprachlos“, erklärte auch Unister-Mitgründer und Gesellschafter Daniel Kirchhof. Wagner habe ein neues Wirtschaftssegment geschaffen und Großes aufgebaut. Vom Unternehmen hieß es weiter, es sollten nun wichtige Weichen für das operative Geschäft „im Sinne unseres Gründers“ gestellt werden. Das Flugzeug mit Wagner war am Donnerstag auf dem Weg von Venedig nach Leipzig abgestürzt. Mit dem 38 Jahre alten Unternehmer starben der Pilot sowie zwei 39 und 65 Jahre alte Insassen, wie die slowenische Polizei in Nova Gorica mitteilte. ...

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Europas erster Bierbrunnen sprudelt in Slowenien

Europas erster Bierbrunnen steht seit Dienstag in einer kleinen Stadt in Slowenien. Mehrere hundert Schaulustige versammelten sich zur Einweihung der neuen Sehenswürdigkeit von Zalec. Aus ihr können Durstige allerdings nicht nach Herzenslust Bier zapfen - vielmehr geht es nach Angaben von Bürgermeister Janko Kos darum, „die Kultur des Biertrinkens zu verbreiten“. Und natürlich hofft die Stadt auf mehr Touristen. „Es geht nicht darum, dass die Menschen betrunken werden sollen“, betonte Kos. Deshalb haben er und seine Mitstreiter sich folgendes Prozedere ausgedacht: Bierliebhaber müssen sich für sechs Euro ein spezielles, mit einem Mikrochip versehenes Glas kaufen. Mit ihm können sie aus den fünf Brunnenarmen fünf verschiedene Biersorten zapfen, wobei es pro Hahn aber nur einen Deziliter Bier gibt.

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Österreich macht es vor: So geht Obergrenze

In CDU und CSU wächst der Wille, den lähmenden Streit über eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen beizulegen. Noch gibt es aber keine Einigung - und nicht einmal einen richtigen Zeitplan dafür. Gewiss, manche Akteure sitzen weit oben auf dem Baum. Würden sie in Windeseile hinunterklettern, könnte das wie ein Sturz aussehen. Es bleibt ja auch noch etwas Zeit: vier Wochen bis zum CSU-Parteitag, vier weitere bis zum Jahrestreffen der CDU. Konzeptionell geht es drunter und drüber. „Obergrenze“, „Höchstzahl“, „Kontingent“, „Richtgröße“,...

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© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.