Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

?

Schwangerschaftsabbruch: Verstehen, was Frauen helfen würde

Gehört die Frage, wann eine Schwangere ihr Kind austrägt und wie Ärzte Frauen in Not helfen dürfen, ins Strafgesetzbuch? Schützt das bestehende Gesetz das ungeborene Leben genug? Der Streit um diese Fragen wird weitergehen. Auch wenn der Bundestag am Mittwoch den nun gefundenen Kompromiss der Koalition zu Paragraf 219a StGB wie geplant verabschiedet. Der sieht vor, dass Ärzte, die Abbrüche vornehmen, darüber künftig straffrei informieren dürfen. Details zu Kosten, Methoden und Risiken sollen nur offizielle Stellen bereitstellen dürfen. Und noch etwas steht in dem von der Koalition ausgehandelten Gesetzentwurf: Eine Studie im Auftrag der Regierung (siehe Infobox) soll erforschen, welche Auswirkungen Schwangerschaftsabbrüche auf die Psyche betroffener Frauen haben. Dafür hat das Kabinett dem Gesundheitsministerium bis zum Jahr 2023 bereits fünf Millionen Euro bewilligt – über den normalen Haushalt des Ministeriums hinaus. Während Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine neue umfassende Studie für unabdingbar hält, bezeichnen andere sie als unnötig. Schließlich werde dazu seit Jahren geforscht, psychische Probleme...

weiterlesen »


Höhepunkt: Hilft es der Beziehung, einen Orgasmus vorzutäuschen?

"Da man eine Beziehung nicht gut führen kann, wenn man nur einmal im Monat Sex hat, habe ich mir angewöhnt, Sex einfach 'mitzumachen'", so beginnt die Zuschrift einer Hörerin. Sie täusche also neun von zehn Orgasmen vor, schreibt sie weiter, "Dirty Talk, Stöhnen und Stellungen spiele ich so intensiv, dass der Sex schnell vorbei ist". Die Alternative wäre "super wenig Sex", sie glaube nicht, dass das die Beziehung besser machen würde. Eine Frage, die sich daraus ableitet: Ist es okay, Leidenschaft vorzutäuschen? Eine andere: Helfen Fake-Orgasmen gar der Beziehung? Oder handelt es sich dabei schlicht um Lüge und Manipulation? Die Sexualtherapeutin Melanie Büttner weiß die Antworten. Im Sexpodcast spricht sie darüber, wie häufig Partnerinnen und Partner Orgasmen vortäuschen, warum sie dies tun und ob Männer tatsächlich einfach meistens mehr Sex brauchen als Frauen. Es geht darum, wie entscheidend Orgasmusprobleme sind, warum der Höhepunkt nicht das einzig Wahre beim Sex ist und Büttner klärt: Kann echte Lust entstehen, wenn man sich selbst nur gut genug etwas vorspielt?  Diese Folge können Sie direkt oben...

weiterlesen »


Diabetes: Zuckerkranke Tüftler

"Das war ein Wow-Moment", sagt Hartmut Müller*. Jahrelang hatte der Diabetiker mehrmals am Tag seinen Blutzuckerwert mit einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe bestimmen müssen. Und doch wusste er nie genau, woran er war. Weder verriet ihm der punktuelle Wert, ob der Spiegel gerade dramatisch anstieg, noch, ob dieser absackte. Dabei sind schlechte Zuckerwerte auf Dauer Gift für seinen Körper. Als sich ihm erstmals die Möglichkeit eröffnete, seine Blutzuckerwerte automatisch und kontinuierlich zu überprüfen, war das wie eine Erlösung für ihn. "Vor ein paar Jahren wurden noch etwa zehntausend diabetesbedingte Amputationen in Deutschland durchgeführt", berichtet Müller bei einem Besuch in der ZEIT-Redaktion, "dazu wollte ich nicht gehören." Vor elf Jahren, Müller war damals 38 Jahre alt, hörte er zum ersten Mal vom "Kontinuierlichen Glukosemonitoring" (CGM) und entschloss sich, die Sache zu erproben. Seitdem registriert ein Sensor im Unterhautgewebe laufend seine Blutzuckerwerte. Per Empfangsgerät kann er sie drahtlos auslesen. Auf diese Weise wird die...

weiterlesen »


Fluorid: Das Missverständnis mit der Kinderzahncreme

In Zahnpasta stecken lauter Fremdwörter: Silikatverbindungen, Natriumlaurylsulfat, Sorbitol, Fluoride. Silikate sind das Putzmittel, Natriumlaurylsulfat erzeugt den Schaum, Sorbitol verhindert, dass die Pasta in der Tube austrocknet. Und Fluoride? Sie schützen die Zähne vor Karies. Nachweislich. Trotzdem suggerieren Schlagzeilen immer wieder, Fluorid wäre schädlich: "Fluorid macht dumm", "Fluorid ist giftig", "Fluorid macht unsere Knochen brüchig" – 2017 verunsicherte eine Studie aus Mexiko werdende Eltern (Environmental Health Perspectives: Bashash et al., 2017). Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass viel Fluorid in der Schwangerschaft die Intelligenz der Kinder beeinträchtigen könnte. Weltweit berichteten Medien darüber und bebilderten ihre Artikel mit Zahnpasta, dem Produkt, das viele Menschen mit Fluorid assoziieren. Sollten wir also besser auf Fluoridzahnpasta verzichten? Und ist sie für Kinder sogar schädlich? Keinesfalls, sagt der Zahnmediziner Ulrich Schiffner. Er forscht und lehrt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zum Thema Zahnerhaltung. Die Studie, die gezeigt haben soll, dass Fluorid...

weiterlesen »


Zecken: Höchststand bei Hirnhautentzündung FSME

In Deutschland sind im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Menschen an der von Zecken übertragbaren Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Einem Bericht des Robert Koch-Instituts zufolge wurden 2018 insgesamt 583 Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis gemeldet. Das entspricht einer Zunahme von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (486 Fälle). Auch der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2006 von 546 Fällen wurde damit überschritten. Das Robert-Koch-Institut hat zudem fünf neue Regionen als Risikogebiete für die Hirnhautentzündung FSME ausgewiesen. Erstmals gibt es ein FSME-Risikogebiet in Norddeutschland: Im niedersächsischen Landkreis Emsland waren vermehrt Menschen erkrankt. Als weitere neue Risikogebiete wurden die bayerischen Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Landsberg am Lech sowie die Stadt Kaufbeuren ausgewiesen. In Sachsen kam der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hinzu. Damit gibt es aktuell 161 FSME-Risikogebiete. Die meisten liegen in Süddeutschland.  Expertinnen und Experten beobachten seit einigen Jahren, dass sich FSME-infizierte Zecken in Deutschland weiter vom...

weiterlesen »


Schadstoff-Grenzwerte: So schwächt man das Vertrauen in die Wissenschaft

Im Januar und Februar tourte Dieter Köhler durch deutsche Talkshows und Fernsehsendungen. Mitunter unwidersprochen verbreitete er wochenlang eine These, die konservativen Verkehrspolitikern und der Autolobby wie ein Gottesgeschenk vorgekommen sein müssen: Es gebe keine "wissenschaftliche Begründung" für die geltenden Feinstaub- und Stickoxidgrenzwerte. Rund 100 Lungenärzte – und ein ehemaliger Daimler-Motorenentwickler unterstützten ihn. Wissenschaftler, die anderer Ansicht waren, bezeichnete er mit verschwörerischem Unterton als Angehörige einer mächtigen Gruppe, die so lange rechneten, bis sie die gewünschten Ergebnisse bekommen. Nun stellt sich heraus: Köhler hat sich verrechnet. Mehrfach. Das gab der emeritierte Professor für Lungenheilkunde gegenüber der taz.die tageszeitung zu. Und anstatt sich nun von seinen Positionen zu verabschieden oder zumindest zerknirscht zu sein, so berichtet es die taz, lobte er den Reporter: "Sie hängen sich ja richtig rein." Dabei hatte der das gemacht, was eigentlich Köhlers Aufgabe gewesen wäre: vorsichtshalber lieber dreimal nachrechnen (etwas, das auch der Autor dieses Artikels...

weiterlesen »


Finasterid: Es ging doch nur um kahle Stellen

Muss ein Medikamentenhersteller haften, wenn sein Arzneimittel schlimme Nebenwirkungen hervorruft? Bislang lautete die Antwort, jedenfalls in Deutschland: Nein. Kein einziges Urteil wurde hierzulande gesprochen, nach dem ein Pharmakonzern einem Patienten eine Entschädigung hätte zahlen müssen. Das könnte sich nun ändern. Es ist ein wegweisender Prozess für die Rechte von Patienten, zu dem sich am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht ein junger, schlanker Mann eingefunden hatte, der anonym bleiben möchte. Er glaubt, unter den schlimmen Wirkungen eines Haarwuchsmittels mit dem Wirkstoff Finasterid zu leiden, und hat gegen den Hersteller geklagt. Vor einem Jahr hatte die ZEIT über die Nebenwirkungen des Medikaments berichtet, das in Deutschland unter den Namen Propecia, Finapil und Finasterid-ratiopharm vertrieben wird. Die Betroffenen, in Deutschland sind es um die 1.000, leiden dauerhaft unter einem Bündel von Symptomen, die auftraten, nachdem sie das Medikament abgesetzt hatten. Erektionsprobleme, Verlust der Libido, Schlafstörungen und Muskelschmerzen gehören dazu, ebenso wie ein kalter, tauber und...

weiterlesen »


Debatte um Grenzwerte: Lungenfacharzt verrechnete sich mehrfach

Der Lungenfacharzt Dieter Köhler hat bei seiner Kritik an Schadstoff-Grenzwerten mit falsch berechneten Zahlen argumentiert. Das bestätigte er gegenüber der taz, die die fehlerhaften Berechnungen aufgedeckte. Köhler hatte mit anderen eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es hieß, es gebe "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte". Zahlreiche andere Wissenschaftlerinnen widersprachen. Köhler hatte behauptet, wer an einer viel befahrenen Straße wohnt und 80 Jahre alt wird, atme während seines Lebens nur so viel Stickoxide ein wie jemand, der einige Monate eine Packung Zigaretten am Tag raucht. Laut taz ist die Belastung aber eigentlich so hoch wie bei jemandem, der sechs bis 32 Jahre lang diese Menge raucht – je nach angenommenem Anteil von Stickstoffdioxid am Stickoxid, wie die taz berichtet. Die Zeitung weist darauf hin, dass Köhler offenbar ein Fehler unterlief, als er den NO2-Wert einer Zigarette auf den einer Schachtel hochrechnete. Der Arzt bestätigte seinen Rechenfehler. Viele Wissenschaftler halten es ohnehin für problematisch, eine dauerhafte Belastung durch Stickoxide in der...

weiterlesen »


Stickoxid-Debatte: "Durch ein Fahrverbot können sich die Gesundheitsrisiken sogar erhöhen"

DIE ZEIT: Herr Wichmann, Sie haben sich als Epidemiologe jahrzehntelang mit den Gefahren von Schadstoffen in der Luft befasst, unter anderem für die Weltgesundheitsorganisation WHO. Was haben Sie gedacht, als Sie das Papier des Lungenarztes Dieter Köhler und seiner Kollegen gelesen haben, die darin die Aussagekraft von Grenzwerten zu diesen Stoffen in Zweifel ziehen? Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

weiterlesen »


Impfschutz: Der kleine Stich

Gibt es Kranke, gibt es Streit. Wenn Masern ausbrechen, ist der Zwist besonders groß. Die gefährliche Krankheit könnte längst ausgerottet sein, trotzdem kehrt sie regelmäßig zurück. Niesen genügt, damit sich die Viren verbreiten. So wie am 11. Jänner, als ein Jugendlicher in der Ambulanz der Kinderklinik Graz acht Babys ansteckte. Seitdem steigt die Zahl der Infizierten täglich weiter. 28 Menschen sind allein im Jänner in Österreich an Masern erkrankt. Die Rechnung wäre einfach: Sind 95 Prozent der Bevölkerung geimpft, breitet sich das Virus nicht weiter aus. Dann sind auch jene sicher, die nicht geimpft werden können – Babys sowie Menschen mit bestimmten Erkrankungen und geschwächtem Immunsystem. Doch weniger als 90 Prozent der Österreicher sind geschützt. Wie gefährlich das ist, hat das Vorjahr gezeigt. In der EU wurden fast 13.000 Masernfälle registriert – und 35 Tote. "Diese 35 sinnlosen Toten zeigen, wie gefährlich das Virus sein kann, wenn wir es nicht aufhalten", sagt Heidemarie Holzmann, Virologin an der Med-Uni Wien. Bis in das Jahr 2014 waren Zahlen zur...

weiterlesen »


Kinderkrankheiten: Ein Computerprogramm, das Husten von Asthma unterscheidet

Ein Forscherteam aus China hat ein Computerprogramm entwickelt, das lernt, Patientendaten auszuwerten, um Kinderkrankheiten von einer harmlosen Erkältung über Asthma bis zur lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung zu erkennen. Das Programm könne eingesetzt werden, um in Notaufnahmen rasch dringende von weniger dringenden Fällen zu unterscheiden, Ärzte in der Ausbildung zu unterstützen oder bei der Diagnose von Krankheiten mit komplexen Symptomen zu helfen, schreiben die Forscher um Huiying Liang vom Zentrum für Kinder- und Frauenmedizin der Uniklinik in Guangzhou. Allerdings kritisieren Fachleute die Studie wegen diverser Mängel. Für ihre Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Medicine (Liang et al., 2019) erscheint, fütterten sie ein Computerprogramm zunächst mit einem Datensatz aus rund 800.000 elektronisch verfügbaren Patientenakten von Kindern. Dieser umfasste die medizinische Vorgeschichte, Laborergebnisse sowie Auffälligkeiten, die sich bei der Untersuchung durch einen Arzt gezeigt hatten – nicht jedoch die gestellte Diagnose. Als Nächstes wurden die Informationen aus den...

weiterlesen »


Wetterextreme: Kann bei großer Kälte der Urin auf dem Weg zum Boden zu Eis gefrieren?

Während in Deutschland gerade gewöhnliche Wintertemperaturen herrschen, litten die Menschen im Mittleren Westen der USA vergangene Woche unter eisiger Kälte – bis zu minus 40 Grad Celsius wurden dort gemessen. Unter solchen Witterungsbedingungen werden gern Legenden wieder ausgepackt. Etwa die, dass man bei diesen Temperaturen "Eiswürfel pinkeln" kann, dass also beim Wasserlassen in der freien Natur der Urinstrahl in der Luft gefriert und als Eis auf dem Boden landet. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

weiterlesen »


Luftverschmutzung: Wie geht es der Luft?

Die Luft ist – zumindest in Deutschland – heute weit weniger dreckig als 1990. Aber sauber ist sie noch lange nicht. Und weltweit atmen die ärmsten Menschen den meisten Schmutz. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

weiterlesen »


Umweltschutz: Dicke Luft

Ihr Kommentar wird bald freigeschaltet! Ihr Benutzername ${userName} wurde angelegt. Die ersten Kommentare neuer Benutzer prüfen wir vorübergehend, bevor wir sie veröffentlichen. Dies geschieht auch bei Nutzern, die kürzlich gegen unsere Netiquette verstoßen haben. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Vielen Dank für Ihre Geduld. OK

weiterlesen »


Stickoxid-Grenzwerte: Die Fachleute blieben unsichtbar

Sie dürfte in die Lehrbücher eingehen – als Beispiel dafür, was bei einem öffentlichen Streit aus Sicht der Wissenschaft alles schieflaufen kann. Die Stickoxid-Debatte zeigt, wie ein pensionierter Arzt eine ganze Forschungsdisziplin in die Defensive drängen, etablierte Erkenntnisse als unsicher erscheinen lassen und quasi über Nacht die deutsche Luftreinhaltepolitik ins Wanken bringen kann. Das Erstaunliche daran: Dafür waren weder neue Studien nötig noch Forschungsergebnisse, es genügte ein zweiseitiges Papier. Darin vertrat der Pneumologe Dieter Köhler Ende Januar mit hundert Gleichgesinnten die These, es gebe "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte", und bestimmte damit tagelang die Schlagzeilen. Seither hat in Sachen Luftqualität hierzulande vor allem eines zugenommen: die Verunsicherung. Bei vielen Bürgern entstand der Eindruck, die Wissenschaft sei sich bei diesem Thema uneins und die Gefahr durch Luftschadstoffe daher letztlich Ansichtssache. Bei Experten, die selbst auf diesem Gebiet forschen, herrscht darüber pure Fassungslosigkeit....

weiterlesen »


© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.