Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

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Xenotransplantation: Ein Herz für uns

Das Herz eines ausgewachsenen Schweins – Deutsche Landrasse, hellrosa mit Schlappohren – wiegt etwa 300 Gramm. Es ist so groß wie eine Faust und passt perfekt in den menschlichen Brustkorb. Dort könnte es bald schlagen. Im Dezember 2018 überlebte ein Schweineherz 195 Tage in einem Pavian. Ein Rekord. "Die Schwelle, ab der man an klinische Studien denken kann, wurde damit überschritten", sagt Eckhard Wolf, Leiter des Instituts für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), "noch drei, vier Jahre, dann sind wir hoffentlich so weit." Dann soll transplantiert werden, vom Schwein zum Menschen, in einem klinischen Versuch. Es könnte der erste sein, weltweit. Xenotransplantation: von einer Spezies zur andern. Bald soll nicht nur die Verpflanzung tierischen Gewebes in den Menschen gelingen, sondern womöglich die eines kompletten Organs. Wolfs Plan: Das Herz eines genmodifizierten Klonschweins soll transplantiert werden, in einen Menschen. ...

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Essstörungen: "Fast immer fängt es damit an, dass Kinder alle Süßigkeiten weglassen"

Immer öfter werden schon Kinder magersüchtig. Wieso das so ist, erklärt die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Beate Herpertz-Dahlmann. ZEIT ONLINE: Frau Herpertz-Dahlmann, Magersucht tritt vor allem bei jugendlichen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren zum ersten Mal auf. Die Menschen, die sie behandeln, sind aber sogar noch jünger. Steigt die Zahl der magersüchtigen Kinder? Beate Herpertz-Dahlmann: Ja. Magersucht im Kindes- und frühen Jugendalter, also etwa zwischen zehn und dreizehn Jahren, ist insgesamt zwar eine seltene Erkrankung. Aber wir haben immer mehr Patientinnen und Patienten. Die Fallzahlen und die Zahl der stationären Aufnahmen steigen, in Deutschland bei den unter 14-Jährigen von sechs pro 100.000 Einwohner auf mehr als das Doppelte. Das deckt sich mit dem, was ein Forscherteam aus Oxford beobachtet hat (Journal of the Royal Society of Medicine: Holland et al., 2015). Aber vermutlich wird die Krankheit auch schneller erkannt, denn die Kinderärztinnen und -ärzte haben Essstörungen eher auf dem Radar als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Im Kindesalter sind zudem noch...

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Philosophie: Mensch und Kosmos

Aus der Sehnsucht nach dem Unwiederbringlichen entstehen die wehmütigsten Sätze. "Selig sind die Zeiten, für die der Sternenhimmel die Landkarte der gangbaren und zu gehenden Wege ist und deren Wege das Licht der Sterne erhellt. Alles ist neu für sie und dennoch vertraut [...]. Die Welt ist weit und doch wie das eigene Haus." Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Weltraumfotos: Die Erd’ ist aufgegangen

Der Wettlauf zum Mond, der am 21. Juli 1969 mit der ersten bemannten Mondlandung endete, produzierte Bilder von atemraubender Technik, von Astronauten in futuristischen Raumanzügen, von Landefähren und Startmodulen. Die wirkmächtigsten Fotos aber zeigen weder moderne Technik noch unentdeckte Welten. Im Dezember 1968 umkreisen Astronauten der Apollo-8-Mission erstmals den Mond, und ihnen gelingt eine Aufnahme, die zeigt, wie die Erde über ihrem grauen und trostlosen Trabanten aufsteigt. Earthrise – der Erdaufgang – wird zum ikonischen Bild, zu einem der am häufigsten reproduzierten Fotos aller Zeiten. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Psychische Erkrankungen: Im Krieg gibt die Psyche nach

Wenn die Bombe das Nachbarhaus trifft; wenn ein Mensch seinen Bruder vor den eigenen Augen verbluten sieht; wenn die Stunden im Keller länger und länger werden, weil immer noch Bomben auf die Stadt fallen; wenn ein Kind verloren geht, weil eine Familie in der Nacht vor einer Schlammlawine fliehen muss: Kann eine Psyche das aushalten oder zerbricht sie an dem Erlebten? Wird jemand zwangsläufig psychisch krank, der Krieg und Krisen erlebt? Oder anders gefragt: Wie viele der rund 100 Millionen Menschen weltweit, die aus Kriegs- und Krisensituationen kommen (Global Humanitarian Overview, 2019), haben eine posttraumatische Belastungsstörung, eine Depression oder Angststörung? Die Antwort: Ungefähr ein Fünftel und damit dreimal so viele wie Menschen in anderen Lebenslagen. Das zumindest schätzt eine Studie, die heute in der Fachzeitschrift The Lancet (Charlson et al., 2019) erscheint. Die Metastudie, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durchgeführt hat, ist die bisher erste wirklich ernstzunehmende Schätzung. Sie beruht...

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Psychische Krankheiten: Assanges sieben lange Jahre

Ganz am Ende seiner Isolation, als er abgeführt worden war und von der Rückbank eines Polizeiautos durch das schmutzige Fenster in eine Kamera blickte, sah Julian Assange ein wenig aus wie ein Geist: blass, erschöpft, die Augen nur halb geöffnet. Seine Haare und sein Bart waren lang und ungepflegt. Sieben Jahre hat Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London verbracht: Er lebte in einem kleinen Raum ohne Sonnenlicht. Hätte er die Botschaft verlassen, er wäre umgehend verhaftet worden. Seine Verbindung zur Außenwelt waren das Botschaftspersonal, das Internet und Besuche von Freunden und Unterstützerinnen, von denen niemand weiß, wie häufig sie waren. Im vergangenen Jahr kappte ihm die Botschaft sogar über Monate den Internetzugang und untersagte Besuche weitestgehend. Die Festnahme Assanges und seine mögliche Auslieferung in die USA sind zuallererst ein politischer Fall, am Mittwoch wird in London weiter über das Auslieferungsgesuch verhandelt. Der Fall Assange hat gleichzeitig aber eine psychologische Dimension. Was genau geschieht mit Menschen, die in scheinbarer Ausweglosigkeit...

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Drogenpolitik: Abhängige sind Patienten, keine Kriminellen

Diese Reportage ist Teil des Schwerpunkts zu Drogen im Alltag. Dazu hat ZEIT ONLINE exklusiv Ergebnisse des Global Drug Survey veröffentlicht, der weltweit größten Drogenumfrage, an der rund 35.000 Leserinnen und Leser teilgenommen haben. "Wachsen" heißt auf Portugiesisch "Crescer" – so nennt sich die Einrichtung im Südosten Lissabons, die sich mit Streetwork und Vermittlungshilfe darum bemüht, süchtige Menschen zu reintegrieren. Psychologin Marta Correia und Mentor Rui Coelho gehören zu einem 40-köpfigen Team, das hier Drogenabhängige betreut. Jeden Morgen nehmen sie Termine wahr, vermitteln Menschen Therapieplätze und beantworten soziale Fragen. An den Nachmittagen ziehen sie neongelbe Westen über, steigen in einen weißen Van und fahren durch die Problemgegenden der portugiesischen Hauptstadt. Immer zur selben Zeit, immer dieselben Wege entlang. Die Süchtigen sollen sich auf den Kleintransporter mit den sauberen Nadeln und den freundlichen Streetworkern verlassen können. In ihren Rucksäcken tragen Marta und Rui Plastiktüten, die sie auf ihren Routen verteilen. Die...

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Parasiten: Tropische Zeckenart überwintert erstmals in Deutschland

Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass erstmals eine neu eingewanderte tropische Zeckenart in Deutschland überwintert hat. Experten der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München stellten in den vergangenen Tagen sechs Exemplare der Gattung Hyalomma fest, wie die Universität in Stuttgart mitteilte. Demnach sei die Art "einen wesentlichen Schritt weiter auf dem Weg, sich hier zu etablieren". Bislang seien fünf Hyalomma-Zecken auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen und eine auf einem Pferd in Niedersachsen gefunden worden. "Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten", sagte Ute Mackenstedt, die als Parasitologin an der Universität Hohenheim forscht. Im vergangenen Jahr waren erstmals Zecken dieser Gattung in größerer Menge in Deutschland nachgewiesen worden. Der Fund der Hyalomma-Zecken bedeute aber nicht notwendigerweise, dass die Art in Deutschland bereits heimisch geworden sei. Damit sich eine Population entwickeln...

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Partnerschaft: Ist es möglich, süchtig nach Nähe zu sein?

Nicht allein sein zu wollen, ist ein sehr menschliches Bedürfnis. Doch während manche ohne einen Partner glücklich sein können, brauchen andere stets jemanden an ihrer Seite. Und während manche in einer Beziehung am liebsten rund um die Uhr wissen möchten, was die Partnerin macht, melden sich andere nur, wenn etwas Substanzielles zu berichten ist. Über die unterschiedlichen Bedürfnisse nach Intimität, Nähe und Geborgenheit spricht die Wissenschaftsredakteurin Alina Schadwinkel in dieser Sexpodcastfolge mit der Sexualtherapeutin Melanie Büttner. Die Ärztin erklärt, wie sich Spannungen vermeiden lassen, und beantwortet die Frage: Ist es möglich, nach Nähe süchtig zu sein? Die aktuelle Folge können Sie zu Beginn des Artikels direkt hören. Jeder, der eine Beziehung eingeht, macht sich emotional abhängig. Die Bereitschaft sich zu öffnen und das Bedürfnis, sich – vor allem zu Beginn – ganz auf den Partner oder die Partnerin zu konzentrieren, stärken die Bindung. Beides ist also durchaus sinnvoll. Problematisch wird es, wenn der Kontakt...

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Psychologie: Du Held

Philip Zimbardo braucht zwei Stunden, um von den Abgründen der Menschheit zu ihren Lichtgestalten zu kommen, von den Nazis zu Nelson Mandela. Normalerweise schafft er es in der halben Zeit, aber an diesem Tag steht ein Dolmetscher auf der Bühne, der seine Worte ins Ungarische übersetzt. Man fragt sich nur, wie Zimbardo das durchhalten soll. Seine Wangen sind eingefallen, beim Gehen braucht er einen Krückstock, den Vortrag hält er im Sitzen. Dieser Mann ist 85 Jahre alt, und das sieht man. Aber schnell wird klar, dass am Ende nicht Philip Zimbardo erschöpft sein wird, sondern der Dolmetscher. Man solle während des Vortrags nicht fotografieren, bittet Zimbardo, dafür gebe es anschließend genug Zeit. Dann spielt er ein paar Takte von Santana ab und groovt mit dem Oberkörper. You’ve got to change your evil ways, baby. And every word that I say, it’s true. Er sagt, seine Vorlesungen an der Stanford University habe er immer mit Musik eingeleitet. ...

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Autoimmunerkrankungen: Stress macht mürbe

Stress ist zuallererst ein Gefühl. Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, keinen Handlungsspielraum zu besitzen, sein eigenes Leben nicht mehr im Griff zu haben. Egal ob Führungsperson, Alleinerziehende, Schüler, Studentin oder jemand, der keine Arbeit findet und am Monatsende ständig das Geld zählen muss: "Menschen empfinden Stress meist in unvorhersehbaren Situationen. Sie zu meistern, übersteigt dann die eigenen Ressourcen", sagt Christian Otte, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin. Rund jeder fünfte Deutsche über 18 Jahre fühlt sich häufig gestresst. Viele haben den Eindruck, dauernd den eigenen Ansprüchen hinterherzulaufen und zu viele Verpflichtungen zu haben. Auch in der Freizeit gibt es Stress, zum Beispiel wenn nebenher ständig neue Nachrichten auf dem Handybildschirm blinken, die Familie nach einem ruft oder der Haushalt wartet. Seit Jahren nehmen die stressbedingten Krankschreibungen zu (TK-Stressstudie, 2016). Viele davon werden ausgestellt wegen psychischer Beschwerden, wegen Burn-out oder Belastungsstörungen. Im Körper...

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Abnehmen: Lassen sich Fettpolster wegmassieren?

Jedes Programm zur Gewichtsreduzierung, bei dem die Menschen weder ihre Ernährung noch ihr Bewegungsverhalten umstellen müssen, lässt beim Skeptiker die Warnlampen aufleuchten. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Künstliche Befruchtung: Der lange Weg zum Kind

So funktioniert die Zeugung im Labor Riskante Mehrlingsrate In Deutschland ist die Mehrlingsrate nach einer künstlichen Befruchtung besonders hoch. Der Grund: Es werden immer noch häufig zwei oder drei Embryonen eingesetzt. International hingegen ist es meist nur ein Embryo – die Geburtenrate leidet darunter nicht. Kindersegen Seit 1997 wurden insgesamt Kinder nach künstlicher Befruchtung in Deutschland geboren; zuletzt pro Jahr etwa 20.000 (drei Prozent aller Geburten). Die Kosten pro Behandlung schwanken stark. Im Schnitt muss ein Paar zwischen 800 und 2500 Euro anteilig bezahlen, ab dem dritten Versuch meist die vollständige Summe (2000 bis 5000 Euro) Immer ältere Mütter Paare entscheiden sich immer später für ein Kind,...

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Cannabis-Legalisierung: Warnhinweis: Bitte nicht bekifft Autofahren!

Diese Analyse ist Teil des Schwerpunkts zu Drogen im Alltag. Dazu hat ZEIT ONLINE exklusiv Ergebnisse des Global Drug Survey (GDS) veröffentlicht, der weltweit größten Drogenumfrage. Cannabis ist beliebt. Mit Tabak vermischt, in der Wasserpfeife geraucht, als hochkonzentriertes Öl oder Tinktur geschluckt, eingebacken in Brownies. Rund sieben Prozent der 18- bis 59-jährigen Deutschen haben in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis genommen, zeigt der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018. Und unter den Teilnehmern des diesjährigen Global Drug Survey ist Cannabis wie bereits im Vorjahr das beliebteste illegale Rauschmittel. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist: 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland haben es schon einmal probiert und mehr als die Hälfte hat in den vergangenen zwölf Monaten gekifft oder dergleichen. Weil Cannabis nicht ohne Gefahren ist, ist es in Deutschland illegal. An immer mehr Orten auf der Welt sieht die Lage aber anders aus. Die Niederlande, Spanien und einige US-amerikanische Bundesstaaten erlauben unter bestimmten Auflagen, die...

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Künstliche Befruchtung: "Die Regeln sind patientenfeindlich"

DIE ZEIT: Herr Taupitz, Ihr Gutachten liest sich wie ein Ruf nach Freiheit. Als wären Ärzte und Patienten Gefangene einer rückständigen Politik. Ist das nicht übertrieben? Jochen Taupitz: Das ist kein Ruf nach Freiheit, sondern nach Vernunft. Wir möchten mit unserer Stellungnahme erreichen, dass deutsche Paare endlich auf dem Stand des aktuellen medizinischen Wissens behandelt werden dürfen. Dass dies seit vielen Jahren nicht möglich ist und die Politik daran nichts ändert, ist im Grunde ein Skandal. ZEIT: Scharfe Worte auf einem sensiblen Feld. Taupitz: Das geltende Embryonenschutzgesetz stammt aus dem Jahr 1990, der Anfangszeit der Fortpflanzungsmedizin. Eigentlich war es schon wenig später überholungsbedürftig. Dennoch gilt es weitgehend unverändert bis heute – mit negativen Folgen für die betroffenen Paare und deren Kinder. Viele Praktiken sind verboten oder stark eingeschränkt aufgrund von Befürchtungen, die sich mittlerweile als haltlos...

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© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.