Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

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Internationaler Bildungsvergleiche müssen kritischer betrachtet werden

Im Juli 2016 machte der britische Schulminister Nick Gibb mal eben 41 Millionen Pfund für achttausend Grundschulen im Königreich locker. Das Geld war aber nicht etwa für zusätzliche Lehrer bestimmt. Vielmehr sollten die Schulen damit unterstützt werden, Mathematik-Lehrmethoden zu übernehmen, wie sie in Schanghai oder Singapur üblich sind. Auslöser waren Pisa-Ergebnisse von 2012, bei denen die Mathekünste von 15-Jährigen verschiedener Länder und Regionen verglichen worden waren. Die jeweiligen gemittelten Leistungspunkte ließen sich zu einer Rangliste ordnen, und die sieben Spitzenreiter darin waren Schanghai, Singapur, Hongkong, Taiwan, Südkorea, Makao und Japan. ...

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Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz: "Dieses Gesetz ist extrem gefährlich"

Wer in einer psychiatrischen Klinik behandelt wird, soll in Bayern künftig der Polizei gemeldet, die Daten fünf Jahre gespeichert werden. Alarmiert und besorgt haben Medizinerinnen und Mediziner, Betroffenenverbände, die Opposition im Landtag und viele Bürgerinnen und Bürger in sozialen Netzwerken auf Bayerns Pläne zur Verschärfung seines Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (Bay-PsychKHG) reagiert (ZEIT ONLINE berichtete). Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, erklärt, welches Signal dieser Gesetzentwurf weit über Bayern hinaus an Erkrankte und Angehörige sowie die Öffentlichkeit sendet. ZEIT ONLINE: Herr Heinz, was würde das Gesetz in der Praxis für Ihre Arbeit bedeuten, würde es in ähnlicher Art in Berlin eingeführt? Andreas Heinz: Es würde bedeuten, dass sich die Art des Umgangs mit Patientinnen und Patienten aus der psychiatrischen Forensik, also dort wo psychisch kranke Straftäter behandelt und untergebracht werden, auf die Allgemeinpsychiatrie überträgt. Also auf einen Bereich, in dem wir Menschen helfen wollen, die nicht wegen Straftaten...

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Am Niederrhein und im Saarland waren einst Meteoriten eingeschlagen

Während unser direkter Nachbar im All, der Mond, mit Abertausenden von Einschlagkratern übersät ist, gibt es auf der Erde mit ihrer dreizehnmal so großen Oberfläche lediglich knapp 200 solcher Krater. Obwohl beide Himmelskörper in der Frühzeit des Sonnensystems dem gleichen Bombardement von Meteoriten und Asteroiden ausgesetzt waren, sind Einschlagspuren auf der Erde recht selten zu finden. Ein großer Teil der extraterrestrischen Boliden landete nämlich in den Ozeanen. Auf den Kontinenten haben Gebirgsbildung, Erosion und Verwitterung in den meisten Fällen die Spuren der Einschläge völlig verwischt. In Deutschland gibt es immerhin noch zwei deutlich sichtbare Impaktkrater, nämlich das 24 Kilometer große Nördlinger Ries und das benachbarte, wesentliche kleinere Steinheimer Becken im Landkreis Heidenheim. Nun haben zwei deutsche Forschergruppen Hinweise auf zwei weitere...

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Planetenjäger: Nasa-Weltraumteleskop „Tess“ gestartet

Das Weltraumteleskop „Tess“ ist zur Planetensuche ins All gestartet. „Tess“ (Transiting Exoplanet Survey Satellite) habe in der Nacht zum Donnerstag erfolgreich an Bord einer „Falcon 9“-Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im Bundesstaat Florida abgehoben, teilte die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mit. Der Start war eigentlich bereits für die Nacht zum Dienstag geplant gewesen, musste aber verschoben werden, um zusätzliche Tests der Navigationssysteme durchzuführ Rund zwei Monate nach dem Start soll der Planetenjäger in seiner Umlaufbahn angekommen sein und Daten senden. Die rund 200 Millionen Dollar teure Mission ist zunächst auf etwa zwei Jahre angelegt. „Tess“ ist ungefähr so groß wie ein Kühlschrank und hat vier...

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Welche Beziehungen Menschen als „schwierig“ empfinden

Dass Beziehungen sich lohnen können, muss heute niemandem erläutert werden. Falls doch, hilft eine umfangreiche Beratungsliteratur. Auch aus soziologischer Perspektive gibt es Argumente dafür, dass persönliche Beziehungen aus Nützlichkeitserwägungen eingegangen und gepflegt werden: Jede Beziehung ist eine Art „sozialer Tausch“, an dem man sich mit eigenen Leistungen beteiligt, weil man Gegenleistungen erhofft. Auch falls die Beziehungsarbeit zunächst eher einseitig verteilt ist, kann man dies noch als eine längerfristige Investition begreifen, die sich erst später auszahlen mag. Beziehungen stellen ein „Sozialkapital“ dar, auf das man nötigenfalls zurückgreifen kann. Unter diesen Vorzeichen scheint erklärungsbedürftig, warum auch Beziehungen, die keinen Nutzen versprechen, unterhalten werden – und selbst solche, die eher anstrengend sind. Wer hat nicht einige Kontakte...

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Psychiatrie in Bayern: Aktenkundig psychisch krank

Menschen in psychischen Krisen "noch stärker als bislang" unterstützen und einen "Beitrag zur Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen" leisten – das wolle die bayerische Staatsregierung. So jedenfalls steht es im Entwurf zum Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (hier nachzulesen), den das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits verabschiedet hat. Darauf angesprochen, lacht Thomas Kallert auf. Der Psychiater, der die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken als Ärztlicher Direktor leitet, ist davon überzeugt: Wird umgesetzt, was in einigen der Absätze des geplanten Gesetzes steht, wird das komplette Gegenteil bewirkt. Und nicht nur er denkt so: Fachleute, Betroffenenverbände und Datenschützer sind entsetzt über die Pläne der Staatsregierung. "In dieser Form kriminalisiert und stigmatisiert das Gesetz psychisch kranke Menschen", sagt Kallert. Die Einweisung per Gerichtsbeschluss ist die Ausnahme Die meisten Menschen, die stationär in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden, sind freiwillig dort und suchen Hilfe. Nur etwa jeder zehnte Betroffene in Bayern...

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Alexander Gerst fliegt ins All: „Werde oft selbst das Versuchskaninchen sein“

In sieben Wochen ist es soweit. Dann bricht Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation (ISS) auf, wo er ein halbes Jahr verbringen wird. Von August an übernimmt er das Kommando über die ISS und ihre fünfköpfige Besatzung. Gerst, der bereits im Jahr 2014 ein halbes Jahr auf dem Außenposten der Menschheit arbeitete und lebte, ist damit der erste deutsche und der zweite europäische Kommandant der ISS. „Das ist für mich eine große Herausforderung, auf die ich mich schon sehr freue“, sagt Alexander Gerst an diesem Dienstag (17. April) auf einer Pressekonferenz am deutschen Astronautenzentrum in Köln. Es war der vorerst letzte öffentliche Auftritt des 41 Jahre alten Geophysikers vor seinem Start. ...

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Dank eines kosmischen Linseneffekts konnte der fernster Stern im Universum gesichtet werden.

Mit Hilfe des von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationslinseneffekts haben Astronomen einen Stern in einer rund neun Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie ausgemacht. „MACS J1149 Lensed Star 1“, oder kurz „LS1“, ist damit der am weitesten entfernte jemals beobachtete Stern. Eine zweite Astronomengruppe fand mit dem gleichen Effekt unabhängig davon zwei weitere Sterne in einer anderen, nicht ganz so weit entfernten Galaxie. Die beiden Arbeiten, jüngst veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Nature Astronomy“, stellen einen Meilenstein in der Erforschung ferner und junger Galaxien dar. Selbst mit den größten Teleskopen der Welt sind einzelne Sterne normalerweise zu lichtschwach, um in derart großer Entfernung noch wahrgenommen werden zu können. Ausnahmen sind Sternexplosionen, etwa Supernovae, bei denen Sterne ihre Leuchtkraft kurzfristig enorm steigern. „LS1“...

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Entwicklungshilfe: Fliegender Lebensretter

Es war eine Filmszene, die Patrick Patten nach Afrika verschlug: Eine Cola-Flasche fällt vom Himmel und landet im Sand der Kalahari. Und dann verändert sich alles. Bei dem afrikanischen Stamm, der die Flasche im Film Die Götter müssen verrückt sein für ein spirituelles Zeichen hält. Und bei Patrick Patten, der sein Leben infrage stellt. Der Amerikaner hat den westlichen Lebensstil schon lange satt: das Konsumverhalten. Die Oberflächlichkeit. Die Cola-Flaschen. Z+

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Aufklärung: Wenn Kinder in die Pubertät kommen

Ja, es kommt die Zeit, in der abschließbare Türen fürs Kinderzimmer Thema werden. Wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt und  beginnt, Gefühle für das andere oder das eigene Geschlecht zu entwickeln, sind Eltern manchmal ratlos. Wie man diese Phase begleitet, dazu hat die Sexualtherapeutin Melanie Büttner Ratschläge. Im zweiten Teil zu Aufklärung spricht sie mit Sven Stockrahm, dem stellvertretenden Ressortleiter für Wissen und Digital bei ZEIT ONLINE. Und sie beantwortet Hörerfragen, wie Mütter und Väter mit ihren Kindern auch über Pornos reden können. Und was, wenn man ins Kinderzimmer platzt, während sich die Tochter oder der Sohn gerade selbst befriedigen? Eine Folge über die Zeit, in der das Interesse an Sex wächst und die Eltern vielleicht nicht mehr die ersten Ansprechpartner für ihren Nachwuchs sind. Diese Folgen können Sie direkt oben auf dieser Seite anhören. Im ersten Teil zu Aufklärung ging es übrigens um die Sexualität von Kleinkindern. Hören Sie die Folge "Sex, aber bitte ohne Bienchen und Blümchen!" hier. Über Aufklärung und Sexualkundeunterricht in der Schule haben wir im...

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Nigeria: Mehr als hundert Menschen sterben an Lassafieber

Mindestens 101 Menschen sind in Nigeria an Lassafieber gestorben. Zu den Opfern der Erkrankung sollen auch Medizinerinnen und Mediziner sowie Pflegekräfte gehören, teilte die Organisation Ärzte ohne Grenzen mit. Sie hatten sich um erste Erkrankte gekümmert und nicht gewusst, dass ihre Patientinnen und Patienten am hochansteckenden Lassafieber erkrankt waren. Dem medizinischen Personal hätte teilweise aber auch die richtige Schutzausrüstung gefehlt. Insgesamt gibt es nach Zählung von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria 1.781 Verdachtsfälle von Lassafieber. Bei 408 Fällen sei bereits der Verdacht bestätigt worden. Die Krankheit verläuft nicht immer tödlich, bisher seien 146 Menschen gestorben, bei den 101 Todesfällen sei die Krankheit zweifelsfrei bestätigt worden. Der Ausbruch sei nach Angaben der Organisation "einer der schlimmsten in den vergangenen Jahren". Ärzte ohne Grenzen ist nach eigenen Angaben vor Ort, um Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen zu schulen. Zwar gehe die Zahl der Erkrankten in Nigeria bereits zurück, eine Entwarnung bedeute das jedoch nicht, hieß es. Erkrankungsfälle hat...

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LSD: Montag – Zeit für einen Horrortrip

Es ist Freitag, der 16. April 1943. Albert Hofmann räumt sein Labor beim Pharmaunternehmen Sandoz in Basel etwas frustriert fürs Wochenende auf. Seine Suche nach einem Mittel zur Kreislaufstabilisierung kommt nicht voran. Und dann passiert es. Er erlebt einen gewaltigen Rausch, den er später als wunderbares Erlebnis bezeichnet. Der Chemiker war vor 75 Jahren etwas schlampig im Labor gewesen und mit dem Mittel in Berührung gekommen, an dem er forschte: Lysergsäurediethylamid, abgekürzt LSD. Hofmann beschrieb die Ereignisse an jenem Freitag bei einem Symposium in Basel zu seinem 100. Geburtstag 2006 so: "Ich musste das Labor verlassen, ich hatte das Gefühl, es passiert etwas mit Dir. Ich fuhr mit dem Velo nach Hause, legte mich hin und hatte ein wunderbares Erlebnis. Was immer ich mir vorstellte, war bildhaft vor mir, tief beglückend. Es dauerte drei, vier Stunden, und dann verschwand es. Die nette Nachbarin, plötzlich eine bösartige Hexe Am folgenden Montag wollte er dem Geheimnis auf die Spur kommen. Er nahm bewusst LSD ein, das er aus dem Pilz Mutterkorn gewonnen hatte, aber eine viel zu große Dosis....

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Alkohol: Bloß nicht mehr als ein Bier pro Tag!

Freuen Sie sich schon, endlich wieder mit Freunden abends draußen was trinken zu gehen? Falls ja, sollten Sie die wärmeren und helleren Abende vielleicht lieber mit Apfelschorle oder Cola light genießen statt mit Alkohol. Ansonsten könnte sich Ihr Leben verkürzen, oder Sie könnten ernsthaft krank werden – und das auch schon, wenn Sie nur ein Glas Wein oder Bier am Tag trinken. An zu viel Zucker, Fett und Kaffee stirbt es sich ja mitunter auch schneller? Und das Feierabendbier muss man sich auch nicht madig machen lassen? Stimmt. Doch es kann gut sein, dass Sie nicht nur die Gesundheitsfolgen von Alkohol falsch einschätzen, sondern vor allem, wie viel Sie trinken. © Jakob Börner zur Autorenseite Wussten Sie, dass es offizielle Empfehlungen gibt, wie viel Bier, Wein und Schnaps pro Woche nur geringe Schäden verursachen? Demnach sollten erwachsene Männer maximal 120 Gramm und Frauen nicht mehr als 70 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich nehmen (siehe: BZgA). Macht für Männer neun Flaschen Bier à 330 Milliliter (bei fünf...

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Acrylamid: Vergolden, nicht verkohlen!

Die kleinsten und knusprigsten Pommes sind die leckersten – und die ungesündesten. Der Grund: Sie enthalten Acrylamid. Der Stoff gilt als krebsauslösend und befindet sich in Kartoffel-, Getreide- und Kaffeeerzeugnissen. Zahlreiche Verbraucherschutzgesetze sollen dafür sorgen, dass so wenig Acrylamid wie möglich auf unseren Tellern und in unseren Bechern landet. Jüngst entschieden etwa Richter im US-Bundesstaat Kalifornien, dass die Kaffeehauskette Starbucks auf ihren Produkten vor der schädlichen Wirkung warnen soll. Die EU-Kommission geht sogar noch einen Schritt weiter und möchte mit einer Verordnung erreichen, dass wir im Alltag weniger Acrylamid zu uns nehmen. Für Verbraucher ändert sich dadurch zwar zunächst wenig. Doch Lebensmittelhersteller und die Gastronomie müssen wahrscheinlich ihr Vorgehen in der Herstellung und Zubereitung von Lebensmitteln verändern. Was steht in der neuen Verordnung? Ab dem 11. April gilt die EU-Verordnung für jeden Betrieb, der Kartoffelerzeugnisse, Brot, Feinbackwaren, Frühstückscerealien, Säuglingsnahrung, Kaffee oder Kaffeeersatzprodukte herstellt, verarbeitet oder auf den Markt bringt....

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Böse Psychospielchen

Wie beim Todesflug des German-wings-Piloten vor drei Jahren ist man bei dem Todesfahrer von Münster fatalerweise sehr schnell (sofort nachdem politische Motive einigermaßen auszuschließen waren) dazu übergegangen, die Tötung fremder Menschen mit anschließendem Suizid in den Kontext einer möglichen psychischen Erkrankung des Täters zu stellen („psychisch labil“, laut Polizei: „psychisch auffällig“). Von Depressionen war die Rede und mit den an Bekannte gerichteten Briefen des Täters, die später aufgetaucht sind, auch von Schuldgefühlen, vom Unheil einer verpfuschten Operation, von nervlicher Zerrüttung, von psychischen Krisen und von frühen Suizidgedanken. Seelische Qualen allenthalben, so viel steht fest. Aber wie berechtigt ist es, ohne stichhaltige fachärztliche Anhaltspunkte von einer psychiatrisch manifesten Störung auszugehen, wenn die Todesfahrt doch ebenso gut die typischen Züge einer Amoktat aufweist? Die brutale Tötung fremder Menschen jedenfalls, die sich durch das Fehlen jeglicher...

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© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.