Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

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Pränataldiagnostik: Macht aus dem Down-Syndrom keine so große Sache

Hier schreibt der Vater eines Kindes mit Down-Syndrom. Er ist Mitarbeiter bei ZEIT ONLINE und sagt: "Meine Frau und ich stehen zu unserem Sohn und gehen offen mit dem Down-Syndrom um. Da wir aber nicht einschätzen können, ob er sich später selbst im Netz finden möchte und ob es in seinem Interesse sein wird, mit diesem Artikel in Verbindung gebracht zu werden, haben wir uns für eine Anonymisierung entschieden." Eltern von Kindern mit Trisomie 21 bekommen "lebenslänglich". So formulierte es mein Hausarzt, nachdem ich ihm von der Diagnose meines damals noch ungeborenen Sohnes berichtete. Er sagte, als sich bei ihm Nachwuchs angekündigt hatte, sei es seine größte Sorge gewesen, das eigene Kind könnte das Down-Syndrom haben. Damit war mein Hausarzt einer von mehreren Medizinern, die statt hilfreichen Informationen abschreckende Pauschalurteile parat hatten. Statt uns wie zuvor auf unser körperlich gesundes Kind zu freuen, verstärkten sich wegen der wertenden Äußerungen unsere Zweifel und Ängste. Warum wir? Wie konnte uns das passieren? Was bedeutet das für unser Leben? Pränataldiagnostikerinnen, Ärzte...

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Diagnose Trisomie 21: Bundesausschuss für Kassenfinanzierung von Trisomientest

Sollten die Krankenkassen Schwangeren den Bluttest für das Down-Syndrom bezahlen? Der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten, Kliniken und Patientenvertretern hat jetzt vorgeschlagen: Ja, in bestimmten Fällen. Zu dem Beschluss können nun Verbände offiziell Stellung nehmen. Die abschließende Entscheidung soll voraussichtlich im Spätsommer fallen, dann muss noch das Bundesgesundheitsministerium darüber befinden. Zuvor soll es möglicherweise im April eine Orientierungsdebatte im Bundestag geben.  Laut der Stellungnahme des Bundesausschusses sollen die gesetzlichen Kassen den Test aber nur dann bezahlen, wenn es besondere Risiken oder Auffälligkeiten in der Schwangerschaft gibt. Der Test ist ethisch umstritten, da sich viele Eltern nach einem positiven Ergebnis für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden. In Deutschland leben etwa 30.000 bis 50.000 Menschen mit Down-Syndrom. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, hatte erklärt, sein Gremium habe einzig den Auftrag, das Verfahren wissenschaftlich-technisch zu überprüfen. Über ethische und rechtliche Aspekte müsse...

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Trisomie 21: Im Blut der Mutter

Jesus hat das Down-Syndrom. Das Gesicht ist rund, der Mund steht offen, die Augen gehen schräg nach oben. So schmiegt sich das Gotteskind auf dem Marienbild des italienischen Malers Andrea Mantegna (1431–1506) an seine Mutter. Kinder mit Trisomie 21, das zeigt sich mit diesem Bild, hat es wohl schon immer gegeben. Auch in Tausende Jahre alten Skeletten findet sich die häufigste Chromosomenabweichung von Neugeborenen. Wird es mit dieser Konstante der Menschheitsgeschichte aber nun zu Ende gehen? Der medizinisch-technische Fortschritt könnte dazu führen, dass bald keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geboren werden. Diese Befürchtung haben zumindest Behindertenorganisationen und Kirchenvertreter sowie Politiker fast aller Fraktionen des Bundestages. Mehr als 100 Parlamentarier von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP wollen in den nächsten Wochen im Parlament die Frage debattieren, wie weit die vorgeburtliche Diagnostik gehen soll, die immer genauere Informationen von Schwangeren und ihrem Nachwuchs liefert. Für viele Kritiker gleichen die Tests einer Fahndung nach kranken Kindern im Mutterleib...

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Ärzte: Betrügerische Diagnosen

Joachim Scherber (Name geändert) ist noch nicht bereit, seinem Arzt zu begegnen, dem er so lange vertraut hat. Was Anfang Februar im Sitzungssaal 124 entschieden wird, verfolgt er nur aus der Ferne. Sein Arzt muss sich vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der Vorwurf einer Patientin: Er habe eine Diagnose erfunden, um die Kosten der folgenden Behandlung abrechnen zu können. Deswegen soll er Schmerzensgeld zahlen. Es ist das erste Verfahren, dem weitere folgen werden. Inzwischen sind mehr als ein Dutzend Betroffene bekannt, die sich auch wehren wollen. Einer von ihnen ist Scherber. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Cannabis: Kiffer sind häufiger psychisch krank

Kiffen wirkt sich auf die Psyche aus, das ist keine Neuigkeit. Wegen seiner psychoaktiven Wirkung konsumieren Menschen schließlich Cannabis. Viele kennen auch unerwünschte Nebenwirkungen. Seit Längerem steht der Stoff unter Verdacht, Psychosen verstärken oder gar auslösen zu können. Genau zu dieser Frage ist im Medizinmagazin The Lancet Psychiatry (Di Forti et al., 2019) jetzt eine neue Studie erschienen. Darin kommen Forscherinnen und Forscher erneut zu dem Schluss, dass Psychosen unter Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, häufiger sind als unter jenen, die nie kiffen. Und: Je stärker der THC-Gehalt, desto höher das Risiko. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Cannabis mit einer hohen THC-Konzentration einen schädlicheren Effekt auf psychische Gesundheit hat als schwächere Formen des Stoffes", erklärte Marta Di Forti, Psychiaterin am King's College in London und federführende Autorin der Studie. THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) ist einer der beiden Hauptwirkstoffe der Cannabisblüte und verursacht den Rausch, indem es die Signalübertragung von Nervenzellen im Gehirn beeinflusst. Das Team um Di Forti...

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Herzkrankheiten: Wie gut warnt die Apple Watch vor Vorhofflimmern?

Im September 2018 stellte Appple-Manager Jeff Williams in Cupertino in Kalifornien eine neue Apple Watch mit EKG vor. Dieses neue Modell war aber noch nicht Gegenstand der Studie zum Vorhofflimmern. © Justin Sullivan/Getty Images Finanziert von Apple hat die Universität Stanford eine Studie mit insgesamt 400.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt, die zeigen sollte, wie gut die Apple Watch als medizinisches Hinweismittel funktioniert. Ziel war es, herauszufinden, ob das sogenannte Vorhofflimmern mit der Apple Watch entdeckt werden kann. Da potenziell Betroffene oft keine Symptome zeigen, ist die Erkennung dieser Art von Herzrhythmusstörung sehr schwer, berichten Medizinerinnen und Mediziner der Stanford University. Mittlerweile liegen vorläufige Ergebnisse vor. Gestartet wurde die Studie im November 2017, also zu einer Zeit, als die Apple Watch 3 auf den Markt kam. Das integrierte Elektrokardiogramm (EKG) der neueren Apple Watch 4 fehlt dementsprechend in der Bewertung. Die ersten beiden Generationen der Uhr waren hingegen Teil...

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Gürtelrose: Abwehr des zweiten Angriffs

Vier Tage vor ihrem Urlaub bekommt Ulrike K. (53) Rückenschmerzen. Ihr Arzt diagnostiziert einen "eingeklemmten Nerv", verschreibt ein Schmerzmittel und empfiehlt, sich an einer Stange "auszuhängen". Unterwegs nach Italien entdeckt sie nahe der Wirbelsäule drei Pickel. Ein Notarzt – natürlich ist Samstag – stellt fest: Gürtelrose. Und prophezeit, mit Blick auf den Urlaub: "Das wird munter." Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Safer Sex: Das Kondom ist gerissen, was jetzt?

Ein Gummi ist nach wie vor der beste Schutz beim Sex. Was aber, wenn es reißt, und der Partner einem beispielsweise in diesem Moment eröffnet, HIV positiv zu sein? Wer sollte sich regelmäßig beim Arzt auf Geschlechtskrankheiten testen lassen? Zahlt die Krankenkasse diese Untersuchungen? Und was ist zu tun, wenn ein Test positiv ist? Das ist nur ein Thema in der zweiten Sexpodcastfolge zu Safer Sex. Darin spricht die Sexualtherapeutin Melanie Büttner nämlich auch darüber, dass in Deutschland Warzen durch HPV, Clamydien und Herpes weit verbreitet sind, aber auch Syphilis und Hepatitis. Im Gespräch mit ZEIT-ONLINE-Wissenredakteurin Alina Schadwinkel erklärt Büttner, wie man sich schützen kann. So ist es etwa möglich, sich gegen HPV und Hepatitis impfen zu lassen, während bei den meisten anderen Erkrankungen Kondome noch immer den größten Schutz bieten. Diese Folge können Sie direkt oben auf dieser Seite anhören. Auch beantwortet Büttner die Frage einer Hörerin, ob man sich im Mund und Rachen auf Chlamydien oder HPV testen lassen kann. Und wir widmen uns einer heiklen Situation: Was, wenn zwei...

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Stefan Weinmann: "Wir arbeiten oft mit Mitteln von gestern"

DIE ZEIT: Sie nennen in Ihrem gerade erschienenen Buch Die Vermessung der Psychiatrie Ihr eigenes Fach "vermessen". Warum? Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Zahnmedizin: Wenn kranke Zähne aufs Herz schlagen

Ob wir zum Frühstück in einen knackigen Apfel beißen oder beim Mittagessen ein faseriges Steak zerkauen, bei jeder Mahlzeit bleiben an den Zähnen kleine Reste kleben. Es entsteht ein Belag, an dem sich Bakterien ansiedeln und mit der Zeit vermehren – was die Mundflora aus dem Gleichgewicht bringen kann. Das Immunsystem versucht die Bakterien zu bekämpfen, was zu Entzündungen führt. Schlimmstenfalls erkrankt der Zahnhalteapparat, eine Parodontitis entsteht. Jeder zweite Deutsche leidet heute an Parodontitis. Viele, ohne es zu wissen. Dabei kann dieses Problem mit den Zähnen, neben deren Verlust, womöglich zu anderen schweren Erkrankungen im Körper führen. Medizinerinnen und Mediziner vermuten, dass Herzinfarkte oder Typ-2-Diabetes die Folge sein könnten. Sogar Alzheimer wird mit Parodontitis in Verbindung gebracht. Kann eine gute Zahngesundheit also vor bestimmten Krankheiten schützen? Bei einer Parodontitis entzünden sich unter anderem das Zahnfleisch und der Kieferknochen. Beide bilden sich im Verlauf der Erkrankung zurück und die Zahnhälse liegen immer weiter frei. Es entstehen Zahnfleischtaschen, in die...

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Schlaf: Ist es gesünder, ohne Kopfkissen zu schlafen?

Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens im Schlaf. Ein hochinteressantes Feld also für die Schlafzubehörindustrie. Sie verspricht uns, die täglichen Schlummerstunden zu einem erholsamen Erlebnis zu machen. Die Matratzenbranche wartet mit allerlei wissenschaftlichen oder pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen auf, um uns ihre oft überteuerten Produkte zu verkaufen. Bei Kopfkissen geht es um kleinere Investitionen, aber auch hier hört man oft sehr radikale Ratschläge. Sicher nicht von der Industrie kommt der Hinweis, Kissen seien generell des Teufels und man solle sie allesamt wegwerfen. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Psychotherapie: Auch hier kann man therapieren

Eine der größten Innovationen in der Psychiatrie sieht so aus: Schrankwand, Couchtisch, Fransenteppich. Oder so: Zimmerpalme, Obstkistenregal, Sitzkissen. Oder so: Flachbildschirm, Fernsehsessel, Katzenklo. Eine der größten Innovationen der Psychiatrie ist das Wohnzimmer – das des Patienten, egal wie es aussieht. Seit vergangenem Jahr dürfen Kliniken Menschen mit schweren psychischen Krankheiten statt auf der Station auch in ihren eigenen vier Wänden behandeln. Der Psychiater kommt ins Haus, "stationsäquivalente Behandlung" heißt das offiziell. Die Therapie im Wohnzimmer als bahnbrechende Neuerung? Um das zu verstehen, muss man die Lage der Psychiatrie näher kennen. In dem Fach macht sich seit Längerem Frust breit, sowohl unter Patienten als auch unter Ärzten und Therapeuten. In den vergangenen Jahrzehnten blieben die großen Erfolge aus. Die Hirnforschung, auf die viele Psychiater große Hoffnungen gesetzt hatten, führte zwar zu interessanten Erkenntnissen über das Gehirn, aber kaum zu verbesserten Therapien. Auch grundlegend neue Medikamente kamen nicht auf den Markt – im...

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Gentechnik: Crispr-Entdecker fordern weltweiten Stopp von Embryonenversuchen

Ihre Gentechnikmethode hat vermutlich die ersten Designerbabys ermöglicht. Nun richten sich die Entdecker und Entdeckerinnen der Genschere Crispr an die Welt: "Erlasst ein Moratorium für genome editing." Gemeint sind Veränderungen der DNA in Spermien, Eizellen oder Embryonen, um genetisch modifizierte Kinder zu schaffen. Alle Nationen sollten sich freiwillig dazu verpflichten, schreiben die Autoren. Bis es ein internationales Regelwerk zum Umgang mit solchen Technologien gäbe, seien jegliche klinischen Versuche einzustellen. Es herrscht kein Zweifel, dass diese längst stattfinden. Doch zu welchem Preis? Wenn Genetikerinnen und Genetiker in die fundamentale Biologie des Menschen eingreifen wollen, bringt das große gesellschaftliche, ethische und moralische Bedenken mit sich. Die Crispr-Entdecker machen deutlich: Einmal bearbeitet und zur Welt gebracht, würden derlei Babys die Menschheit für immer verändern. Es droht die absolute Optimierung von Individuen auf Kosten all jener, denen die Technologie nicht zur Verfügung steht. Kinder, die vorab verbessert zur Welt kommen und beispielsweise ein äußerst geringes bis gar kein...

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Körperreaktionen: Kann ein Schock tödlich sein?

In dieser Woche greife ich eine Frage auf, die ich schon früher einmal behandelt habe (ZEIT Nr. 16/07). Der Leser wollte wissen, ob es für einen Schlafwandler tödlich sein kann, wenn man ihn aus seinem Schlummer reißt. Das ist nicht so, trotzdem sollte man den Wandelnden behutsam zurück zum Bett geleiten. In der Frage wurde das Wort "Schock" benutzt. Kann jemand sterben, der einen Schock erleidet? Die Antwort lautet "Ja" – aber nur, wenn das Wort im medizinischen Sinn verwendet wird. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Beeinflussung: Auf den Spuren der Anderen

Was verrät die Liebenden? Als Biologen sich kürzlich fragten, ob es möglich sei, unter zwanzig Frauen und Männern herauszufinden, wer wessen Partner ist – ohne eine einzige private Frage zu stellen, nur anhand körperlicher Indizien –, kamen sie auf eine Idee: Sie verglichen die Bakterien, die auf der Haut der Probanden siedelten. Sie hofften auf Übereinstimmungen. Und die fanden sie: Ausschließlich mithilfe der Bakterien konnten die Forscher zu 86 Prozent die Paare identifizieren. Noch überraschender war, von welchem Körperteil die Proben stammten, die besonders große Gemeinsamkeiten zeigten. Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.