Oliver Zdravkovic

Sport, Politik, Technik, Psychologie

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Geschlechtskrankheiten: Der Tripper ist zurück

Wer am Wochenende in Berlin, Hamburg, London oder Barcelona ausgeht, verlässt die Wohnung vielleicht allein, kommt aber sicher auch mal in Gesellschaft heim. Im Nachtleben sind manche Menschen offen für einen One-Night-Stand, die aufregende Begegnung, den Sex ohne Verpflichtungen. Und zum Glück muss man ja auch keine Angst mehr vor Geschlechtskrankheiten haben. HIV: behandelbar. Syphilis: schon länger nicht gehört. Tripper: Gibt es das überhaupt noch? Leider alles falsch. Gerade der Anteil heterosexueller Menschen, die eine HIV-Diagnose bekommen, nimmt in Deutschland seit Jahren zu, und noch immer wissen zu viele Infizierte nicht, dass sie das Virus in sich tragen (Epidemiologisches Bulletin, 2017, pdf). Die Zahl der Syphilis-Fälle in Deutschland hat sich zwischen 2009 und 2014 fast verdreifacht (Epidemiologisches Bulletin, 2016; pdf). Und dann ist da eben die Geschlechtskrankheit, die Ärzten momentan vielleicht am meisten Sorgen macht: Tripper. Unbehandelt kann die Erkrankung chronische Entzündungen auslösen, schlimmstenfalls kann sie unfruchtbar machen. Frauen leiden etwas stärker unter den Folgen. Seit...

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Soziale Systeme: Das bisschen Haushalt

Die häusliche Arbeitsteilung ist ein Indikator gesellschaftlicher Veränderungen: Eine Rollentrennung zwischen Mann und Frau in der Form, dass der eine arbeiten geht, während die andere die Haus- und Familienarbeit erledigt, gilt als überholt. Gleichberechtigung bedeutet in den Augen vieler Männer und Frauen auch eine Angleichung der Geschlechterrollen – nicht nur in der Erwerbs-, sondern auch in der Hausarbeit. Sowohl Alltagsbeobachtungen als auch die soziologische Forschung weisen jedoch darauf hin, dass die gewandelten Einstellungen nicht umstandslos zu Verhaltensänderungen führen. So scheint die klassische häusliche Arbeitsteilung recht beständig zu sein, obwohl ihr die Legitimität abhandengekommen ist. Ein Problem derartiger Beobachtungen ist, dass sie punktuell bleiben. Die...

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Ohrenreinigung: Dürfen Wattestäbchen in die Ohren?

Wattestäbchen gehören zu den verlogensten Produkten, die man kaufen kann. Denn die meisten Packungen tragen eine Warnung, man solle die Stäbchen bloß nicht in den Gehörgang einführen – andererseits wissen die Hersteller vermutlich genau, dass praktisch alle Kunden ihr Produkt zu ebendiesem Zweck kaufen. Schließlich ist es auch genau dafür entwickelt worden: Der polnisch-amerikanische Erfinder Leo Gerstenzang sah 1923, dass seine Frau den Kindern immer die Ohren reinigte, indem sie Wattebäuschchen auf die Enden eines Zahnstochers steckte. Das erschien ihm wohl nicht nur umständlich, sondern auch gefährlich, und er ersann die Wattestäbchen, die er zunächst unter dem Namen "Baby Gays", später als "Q-tips" vermarktete. Z+

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Bottrop: Apotheker panschte Medikamente – zwölf Jahre Haft

Im Skandal um gepanschte Krebsmedikamente hat das Landgericht Essen einen 48-jährigen Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass in der Apotheke des Angeklagten aus Bottrop Infusionslösungen getreckt, bei den Krankenkassen aber voll abgerechnet wurden. Mit den Einnahmen soll der Angeklagte seinen aufwendigen Lebensstil finanziert haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 13,5 Jahre Haft für den Apotheker wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und Betrugs gefordert. Indem er bei der Herstellung von Krebsmedikamenten die volle Wirkstoffdosis abgerechnet, aber nur eine geringere Dosis verwendet habe, habe sich der Angeklagte auf Kosten von Menschen bereichert, die um ihr Leben bangten, sagte Staatsanwalt Rudolf Jakubowski. Insgesamt hat der Apotheker die Krankenkassen um mehr als 50 Millionen Euro geprellt. "Und das zur Fortsetzung seines luxuriösen Lebensstils – zum Beispiel zum Bau einer Villa mit Wasserrutsche", sagte der Staatsanwalt. Zahl der betroffenen Patienten weiterhin unklar Beim Verfahren am Landgericht Essen blieben allerdings...

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Nowitschok: Ein Nervengift verunsichert England

Schon wieder Nowitschok. Im englischen Amesbury, ganz in der Nähe des Ortes, an dem der frühere russische Spion Sergej Skripal und seine Tochter im März vergiftet worden waren, erwischte es am Samstag einen Mann und eine Frau. Ohnmächtig und schwer verletzt wurden die beiden ins Krankenhaus eingeliefert. Am Mittwochabend gab die Polizei bekannt, dass die beiden, genau wie Skripal, mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. Was steckt hinter den beiden Fällen? Erste Antworten auf wichtige Fragen: Alle Fragen im Überblick: Was ist Nowitschok? Wie wirkt Nowitschok? Wo wurde Nowitschok entwickelt? Wer ist für die aktuellen Fälle verantwortlich? Wie wirkt Nowitschok? Das Nervengift greift in die Reizweiterleitung im Nervensystem ein. Es hemmt, genau wie Sarin und VX, das Enzym Acetylcholinesterase (AChE), das normalerweise den Botenstoff Acetylcholin abbaut. Wird dieser nicht mehr abgebaut, verbleibt eine...

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Vertane Chance

Eine große Anzahl astronomischer Studien endet mit einer Variante des Satzes: Genaueres wird sich erst dann sagen lassen, wenn das James Webb Weltraumteleskop (JWST) der Nasa seinen Betrieb aufnimmt. Das Phänomen ist nicht neu. Das Teleskop steckt schließlich schon seit Ende der neunziger Jahre in der Entwicklung. Bereits Jahre davor war unter Astrophysikern die Überzeugung gereift, dass man sich auf eine Nachfolgemission für das Hubble-Weltraumteleskop vorbereiten müsse, da dessen Leistungsgrenzen schon damals – noch vor seinem Start – abzusehen waren. Die Entwicklung des JWST währt nun schon mehr als...

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Energieverbrauch: Verbrauchen dicke Menschen weniger Energie als dünne?

Übergewichtige Menschen schauen oft neidisch auf ihre schlanken Zeitgenossen: Während sie selbst ein Stück Schokolade nur anschauen müssen, um zuzunehmen, können die anderen essen, so viel sie wollen, ohne dass sich das auf der Waage niederschlägt. Als Erklärung hört man dann oft, dass der dicke Mensch schon im Ruhezustand weniger Energie verbrauche als der dünne. Z+

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Schiri-Entscheidungen: Schuldig nur im Video

Berliner Olympiastadion, 19. Mai 2018, Nachspielzeit, die 93. Minute läuft. Es geht zwar nicht um die Fußball-Weltmeisterschaft, aber immerhin um den DFB-Pokal, und auch der kann ein Fußballerleben schmücken. Die Ecke scheint von der Frankfurter Eintracht schon geklärt, dann schafft es der FC Bayern doch noch, den Ball irgendwie in den Strafraum zu schnippen. Über die folgende Szene, als der Münchner Javi Martínez im Gewimmel fällt, hat sich halb Fußball-Deutschland schon die Köpfe heißgeredet. War es ein elfmeterwürdiges Foul? Hat der Frankfurter Kevin-Prince Boateng Martínez strafwürdig umgetreten? Schiedsrichter Felix Zwayer bemüht am Spielfeldrand den Videobeweis, schaut sich die Szene in Zeitlupe an – und lässt dann eine Ecke ausführen. Inzwischen ist selbst der Frankfurter geständig: „Ich habe ihn ganz klar getroffen“, räumte Boateng ein. Zwayer wiederum...

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Einbahnstraße am Himmel: Der Wandel des Luftfrachtverkehrs

Am 24. Juni 1948, also vor etwa siebzig Jahren, eskalierte der Streit zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten um den Status der westlichen Sektoren Berlins. Auslöser war die Währungsreform in den Westzonen Deutschlands. Verärgert beschloss die Sowjetführung, West-Berlin von der Außenwelt abzuschneiden. Erst kappte man die Stromversorgung, dann wurde der Güter- und Personenverkehr über Land und Wasser blockiert. Zu diesem Zeitpunkt reichten die Vorräte an Kohle und Lebensmittel gerade einmal aus, um die Berliner über den nächsten Monat zu bringen. Die Westmächte hatten jedoch ein Ass im Ärmel. Bereits 1945 waren ihnen drei Luftkorridore nach Berlin zugesichert worden: nach Hamburg, nach Hannover und nach Frankfurt. Sie beschlossen, Berlin aus der Luft zu versorgen. Schon zwei Tage nach dem Beginn der Blockade landeten die ersten amerikanischen Maschinen aus Frankfurt...

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Virtual Reality: Im Cyberspace gegen die Angst

Auf 50 Meter Höhe öffnet sich das Metallgitter des Fahrstuhls. Ein Schritt nur bis ins Freie. Der Wind pfeift. Die Handflächen sind verschwitzt. Der Atem rast. In der Tiefe, unter dem Glasboden, wirkt alles so klein und weit entfernt. Was für ein Fehler, hier hochgestiegen zu sein! Drei Schritte bis zur Mitte der Scheibe. Jede Bewegung kostet größte Überwindung. Einatmen, ausatmen, einatmen. Dann sieht man ungehindert in die Tiefe. Z+Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter. Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

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Sexarbeit: Der hohe Preis von käuflichem Sex

84.000? 400.000? Oder doch 1,2 Millionen? Wie viele Menschen in Deutschland sich prostituieren, ist ungewiss. Die Schätzungen liegen weit auseinander, weil das meiste im Verborgenen stattfindet – obwohl Sexarbeit seit 2002 legal ist. Für manche ist der Verkauf des eigenen Körpers ein Job wie jeder andere. Andere jedoch wählten den Beruf nicht freiwillig. Neun von zehn Sexarbeiterinnen werden zur Prostitution gezwungen. Davon gehen zumindest Polizeiexperten aus. Nachdenklich macht auch: 95 Prozent der Prostituierten würden einer Umfrage zufolge am liebsten mit dem Job aufhören. Ein Grund sind gesundheitliche Folgen. Auffallend viele haben Schlafstörungen, Angstanfällen sowie Depressionen. Auch körperliche Verletzungen sind nicht selten, wie die Sexualtherapeutin Melanie Büttner im Sexpodcast berichtet. Demnach erlebt jede dritte bis vierte Prostituierte sexuelle Gewalt. Jede fünfte wurde schon mal vergewaltigt oder hat bereits schwerere Verletzungen wie Knochenbrüche, Verstauchungen, Muskelrisse, Gesichtsverletzungen, Brandwunden und ausgekugelte Gelenke erlitten. Hören Sie jetzt direkt oben die aktuelle Podcast-Folge...

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Raucherinnen bei der Partnersuche bevorzugt

Der eine sucht in den Ferien die Einsamkeit, andere dagegen gerade die Geselligkeit. Ob Strandbar, Hoteldisco oder Singlereisen – Urlaub ist oft eine Partnerbörse. Doch die sommerlichen Wochen in der Ferne fungieren dabei wie ein Brennglas: Man verrät dort viel mehr über sich als zu Hause. Und das gilt vor allem für den Körper: Sonst von Textilien gnädig verhüllt, liegt der Leib jetzt in gnadenloser Sichtbarkeit im gleißenden Licht der südeuropäischen Sonne. Nie wird deutlicher, dass es, soziologisch gesprochen, eine vermutlich positive Korrelation von physischer Attraktivität und Erfolgen bei der Partnersuche gibt. Wer sich auszieht und dann immer noch anziehend wirkt, hat es einfach leichter als derjenige, an dem Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsabstinenz ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen haben. Natürlich weiß man das auch ohne die Soziologie. Die kann inzwischen...

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Aufstieg und Niedergang der „Paperclip Boys“

Quelle: F.A.Z. Veröffentlicht: 29.06.2018 13:52 Uhr

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HTLV-1: Zehn Millionen Infizierte – und kaum einer kennt dieses Virus

Stellen Sie sich vor, es wird ein neues Virus entdeckt, das vor allem durch Sex übertragen wird und mit dem sich bereits Millionen Menschen angesteckt haben. Die meisten Infizierten werden davon nie etwas merken, doch bei etwa jedem Zehnten löst das Virus eine furchtbare Krankheit aus. Es gibt keinen Impfstoff. Es gibt kein Heilmittel. Und dann passiert: so gut wie nichts. Es mag nicht plausibel klingen. Doch in groben Zügen ist genau das die Geschichte des Virus HTLV-1. Der Erreger wurde vor fast 40 Jahren entdeckt, trotzdem kennt ihn kaum jemand. Nun fordern 60 Forscherinnen und Forscher in einem offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), es müsse mehr gegen das Virus getan werden. "Es ist enttäuschend, dass Menschen, die mit HTLV-1 infiziert sind, sehr wenig Aufmerksamkeit bekommen haben", heißt es in dem Brief. Mit dem Appell wollen die Forscher der Welt den Erreger und die Gefahr, die von ihm ausgeht, endlich bewusst machen. Wohl auch, weil sie ihr schlechtes Gewissen plagt. Als der Forscher Robert Gallo 1980 bekannt gab, das Virus HTLV-1 entdeckt zu haben, war das noch eine wissenschaftliche...

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Humane Papillomviren: Experten empfehlen HPV-Impfung auch für Jungen

Meistens wird Polio nicht bemerkt. Die Krankheit ist zwar hochansteckend, aber kaum jemand zeigt Symptome. Allein in fünf Prozent der Fälle führen die Viren im Körper zu Fieber, Halsschmerzen, Schweißausbrüchen – das ist nervig wie eine Grippe, aber nach wenigen Tagen ohne Folgen ausgestanden. Kritisch sind die restlichen fünf Prozent: Ein bis zwei Wochen nach den Symptomen kommt es zu einer Hirnhautentzündung, die zu einer Lähmung führen kann. Heutzutage sind vor allem Kinder in Entwicklungsländern gefährdet. Europa gilt seit 2002 als Polio-frei. Weil die Krankheit hierzulande keine akute Bedrohung mehr ist, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 1998 nur noch Totimpfstoff (IPV). Wer damit geimpft ist, ist vor einer Lähmung geschützt, kann den Erreger aber noch weiter verbreiten. Wer sollte geimpft sein? Allen voran Säuglinge und junge Kleinkinder. Je nachdem, ob es ein Einzel- oder ein Kombinationsimpfstoff ist, reichen zwei beziehungsweise vier Injektionen zum Schutz. Wann? Die erste Impfung erfolgt ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat, also ab der neunten Woche. Es folgen Injektionen nach dem vollendeten...

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© 2012 bis 4012 Oliver Zdravkovic • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS). Wohnort: Österreich, Wien.